Synopsis: Krankheiten und Störungen der Porphyrin- und Hämbiosynthese

Krankheit oder Syndrom

Ursache(n)

Leitsymptome

Wichtige diagnostische Methoden

Wichtigste Differen-tialdiagnosen

Besondere Hinweise

Kongenitale erythro-poetische Porphyrie Morbus Günther

Uroporphyrinogen-III-Synthasemangel und Porphyrinakkumulation der Isomerenreihe I

schwere Photosensibili-tät, Anämie, Hämolyse, Splenomegalie

Urin-, Stuhl- und Blut-por-phyrine: Dominanz von Isomer I (>80%)

hepatoerythropoetische Porphyrie und Photoder-matosen

nur bei Homozygoten Frühmanifestation in der Kindheit

Erythropoetische (erythrohepatische) Protoporphyrie

Ferrochelatasedefekt und Protoporphyrinak-ku-mulation

Photosensibilität, Leber-funktionsstörungen, Gallensteine, Cholestase, Zirrhose

freies Erythrozyten-Pro-toporphyrin, sowie Plasma-, Stuhl- und Urinporphyrine

Photodermatosen und hepatobiliäre Erkran-kungen

erste Symptome in der Kindheit; auto-somal dominant und rezessiv bei der erythrohepatischen Form

Porphobilinogen-Synthasedefekt-Porphyrie* Doss-Porphyrie

Akute intermittierende Porphyrie*

Hereditäre Kopro-porphyrie*

Porphyria variegata*

PBG-Synthase- (ALS-Dehydratase-) Mangel und Induktion der hepa-tischen ALS-Synthase

PBG-Desaminase-Defekt und Induktion der hepatischen ALS-Synthase

Koproporphyrinogen-Oxidasedefekt und Induktion der hepati-schen ALS-Synthase

Protoporphyrinogen-Oxidasedefekt und Induktion der hepati-schen ALS-Synthase

klinische Expression nach der Pubertät, bei Frauen häufiger als bei Männern:

abdominale Schmerzen; Parästhesien und Paresen (Polyneuropathien), Epilepsie, Psychose; Tachykardie und Hyper-tonie; Hautsymptome bei Koproporphyrie und Variegata fakultativ; pharmakogenetische Er-krankung: Medikamente, Alkohol, Östrogene; endogen prämenstruell und exogen durch Kohlenhydratmangel

Anamnese und Familienanamnese. Bei akuter Manifestation Suchtests auf PBG und Porphyrine im Urin; zur Diagnosesicherung und Differentialdiagnose komplette Porphyriediagnostik im Urin, Stuhl und Blut mit Uroporphyrinogen-Synthase in Erythrozyten; charakteristische Meta-boliten-Konstellation auch in Latenzphasen

abdominale, neurolo-gisch-psychiatrische und kardiovaskuläre Erkrankungen (z.B. gastrointestinaler Symptomenkomplex, akutes Abdomen, Ileus, Polyneuropathie, De-pres-sionen, Psychosen, alkoholtoxische Syn-drome, Bleiintoxika-tion, koronare Herz-krankheit, Hyper-thyreose

Manifestation nur bei Homozygoten (Com-pound-Heterozygotie)

autosomal dominant; Individualprophylaxe; Familien-untersuchung: Erkennung von Gen-trägern und Diagnose in Latenzphasen (über 90% der Heterozygoten be-finden sich in einer Latenzphase)

Porphyria cutanea tarda (chronische hepatische Porphyrie)**

Uroporphyrinogen-Dekarboxylasedefekt mit Akkumulation von Uro- und Heptakar-boxyporphyrin

Photosensibilität, Leber-schaden, Manifestation durch Alkohol, Östro-gene („Pille") und poly-halogenierte aromatische Kohlenwasserstoffe sowie bei Hämodialyse

Urin-, Stuhl- und Blut-porphyrine sowie Uro-porphyrinogen-Dekar-boxylaseaktivität in Erythrozyten; Leber-fluoreszenz

Enzymdefekt in Erythrozyten beim hereditären Typ (autosomal dominant); andere Photodermato-sen

Latenzphasen bei Le-berkranken und chronischem Alkoholismus und Expo-sition gegenüber Fremdchemikalien

Latenzphasen bei Le-berkranken und chronischem Alkoholismus und Expo-sition gegenüber Fremdchemikalien

Uroporphyrinogen-Dekarboxylasemangel und Akkumulation hochkarboxylierter Porphyrine

schwere Photosensibilität, Anämie

Urin-, Stuhl- und Blut-porphyrine; Leber-fluoreszenz

Morbus Günther und Protoporphyrie

nur bei Homozygoten. Frühmanifestation in der Kindheit

Bleivergiftung

toxische Störung der PBG-Synthase (ALS-Dehydratase) und Koproporphyrinogen-Oxidase mit Induktion der ALS-Synthase in der Leber

akute toxische Porphyrie: Koliken, periphere Lähmungen, Tachykardie, Hypertonie, Anämie

Porphyrinvorläufer, Porphyrine und Blei im Urin, Zink-Protoporphyrin und Blei im Blut

akute hepatische Porphyrien; Polyneuropathie, Anämie

toxogenetische Er-krankung bei Heterozygoten mit PBG-Synthase-Defekt

Sekundäre Porphy-rinstoffwechselstö-rungen ohne klinischen Krankheitswert

Mitreaktion des Porphyrin-stoffwechsels, insbesondere bei Erkrankungen der Leber und Gallenwege, des Magen-Darm-Traktes, des Blutes, des Nerven-systems sowie unter endokrinen, nutritiven, toxischen und pharma-kabedingten Einflüssen

keine klinische Sympto-matologie infolge einer Störung des Porphyrin-stoffwechsels; klinische Symptome sind auf eine Grundkrankheit oder &endash;störung, nicht aber auf die Veränderung des Porphyrinstoffwechsels zurückzuführen

Anamnese und Berufs-anamnese. Porphyrin-vorläufer und Porphyrine im Urin sowie Porphyrine in Blut und Stuhl; sekundäre Koproporphyrinurie und/oder Zink-Protoporphyrinämie; Bleianalysen

hepatische Porphyrien und Bleiintoxikation; hepato-gastrointestinale, hämatoneuro- und psychogene Erkrankungen; Alkohol- und Pharmakainduzierter Leberschaden; Poly-neuropathie, Depres-sion, Psychosen

klinische und metabo-lische Fehldeutung als Porphyrie; Isomeren-Untersuchung bei Cholestase und here-ditären Hyperbiliru-binämien

* akute hepatische Porphyrien; ** chronische hepatische Porphyrien; ALS = d-Aminolävulinsäure; PBG = Porphobilinogen

Doss MO. Krankheiten durch Störungen der Porphyrin- und Hämbiosynthese. In: Gerok W, Huber Chr, Meinertz T, Zeidler H, Herausgeber. R. Gross, P. Schölmerich, W. Gerok: Die Innere Medizin, 10. Aufl. Stuttgart: Schattauer, 2000: 1175-92.


©02/2004 Prof.Dr.M.O.Doss